365 und 1 Tag - Geschichte für jeden Tag des Jahres

Die Geschichten aus der Reihe 365 und 1 Tag habe ich im Jahre 2008 geschrieben. Jede der Geschichten ist dabei tatsächlich am entsprechenden Tag entstanden und von mir in meinem Schreibprojekt online gestellt worden. Viel Spaß beim Lesen!

Die ganze Familie sitzt um den Tisch. Die Kinder mit ihren Ehepartnern und Kindern, die Onkel und Tanten. Und am Kopfende trohnt der Vater, der Älteste der ganzen Sippschaft.

Geduld ist nicht meine Stärke. Andere Menschen haben meistens kein Problem zu warten. Aber mir geht es oft zu langsam voran. So ist für mich Vieles im Leben eine Geduldprobe.

Zwischen Baum und Borke ist ja strenggenommen kein Platz. Dennoch höre ich es dort klopfen. Pock, pock, pock, pock klingt es aus dem Baum, manchmal auch krch, krch, krch.

Leihe dir die Köpfe anderer Leute, werde ihr Geist und schreibe für sie, was sie nicht können oder wollen. Vielleicht fehlt ihnen die Geduld oder die Wortgewalt oder der Abstand zum eigenen Denken.

Steigern Sie Ihr Lebensgefühl! Was soll das eigentlich heißen? Wechseln sich die Gefühle des Lebens nicht einfach ab?

Die Schlachtordnung wurde aufgestellt. Rodrigo fühlt diesen Kitzel in der Magengrube. Vorfreude. Gleich geht es los.

Sie werden vorbreschen auf ihren Pferden. Rechts und links austeilen, das Fußvolk niedermähen bis sie auf gleichwertige Gegner treffen. Ein ehrlicher Kampf zwischen Ehrenmännern. Das Stampfen der Rösser, die Hitze der Leiber, das Klirren der Waffen und der Geruch von Blut. Das alles überlagerte bereits Rodrigos Blick auf die wartenden Soldaten.

Ganz allein auf einem Berg. Klirrende Kälte und eisige Klarheit. Die ganze Welt liegt vor mir ausgebreitet. Ich schließe sie in meine Arme. Ich spucke auf sie. Ich lache mit ihr. Ich schicke Wind und Regen über das Land. Lasse Schnee rieseln oder die Sonne scheinen.

Diese Zeit im Jahr, wenn die Nächte immer länger und kälter werden. Wenn die Tage im besten Falle kurz und sonnig sind. Die Abendsonne am Horizont feuerrot verglüht.
Die langen Schatten in einem tiefdunklen Violett auslaufen und die Bergspitzen blau leuchten. Im schlimmsten Falle bleibt es den ganzen Tag grau in grau. Verhangen mit einer watteweichen, bleiernen Wolkendecke erscheint der Himmel unerreichbar. Die Bäume recken ihm davon unbeeindruckt ihre nackten Äste entgegen.

Nikolaus hasste seinen Vornamen. Ganz besonders am sechsten Dezember, weil ihn dann jeder fragte: „Hast du mir was mitgebracht?“ oder „Soll ich meine Stiefel ausziehen?“

Wenn der Teufel zu Besuch da war, muss ich zuerst einmal richtig durchlüften. Meistens gelingt es mir ihn auf dem Ofenblech oder den Fließen zu halten. Aber letztens hat er doch tatsächlich ein paar hufförmige Brandflecken auf den Dielen hinterlassen.

Es ist sehr dunkel. Nur die Augen des Drachen glühen dort unten am Ausgang der Höhle. Massig und breit sitzt er vor dem Felsloch. Ich kann nicht vorbei. Ich bemühe mich ganz leise zu atmen, wage es nicht einmal mich Schrittchen für Schrittchen voranzuschieben.

Ich habe es probiert. Wirklich mühsam und ausdauernd. Naja, mit „mühsam“ übertreibe ich ein wenig. Mir macht es ja sogar Spaß. Aber ausdauernd. Das stimmt.
Ja, was denn nun? Natürlich das Meditieren.

Gretel hält ihren lila Teddy ganz fest und richtet ihren Blick nach oben. Die Nase hoch emporgereckt. Erwartungsfroh lächelt sie. Alles Gute kommt von oben.
Jedenfalls jetzt und heute. Vielleicht kommt es irgendwann einmal von unten, rechts, links oder unten. Aber Gretel glaubt ganz fest an das Gute von oben. Gespannt schaut sie. Gleich muss es doch kommen.

Immer wieder höre ich es derzeit im Radio, die unwahrscheinlichsten Menschen äußern es, bekennen es gerade zu: Ja, wir feiern Weihnachten ganz traditionell mit Baum und Schmuck und allem, was dazugehört.