365 und 1 Tag - Geschichte für jeden Tag des Jahres

Die Geschichten aus der Reihe 365 und 1 Tag habe ich im Jahre 2008 geschrieben. Jede der Geschichten ist dabei tatsächlich am entsprechenden Tag entstanden und von mir in meinem Schreibprojekt online gestellt worden. Viel Spaß beim Lesen!

Es war 1mal 1 7schläfer, der lebte in 1 kl1en Waldstück bei 9kirchen. Jedes Jahr im Mai wurde auf der Wiese direkt daneben 1 großes Volksfest abgehalten.
Da war es furchbar laut. Vor allem das Kreischen der Leute, wenn sie auf der 8terbahn fast senkrecht nach unten stürzten, störte den 7schläfer. Außerdem rannten viele Kinder durch den Wald und sammelten Schnecken, Raupen oder Käfer, die sie in 1machgläser stopften.

Auf dem Lande gibt es neben manchmal leicht verschrobenen Menschen vor allem eines: Viechzeug. Das fängt natürlich an mit dem Nutzvieh – Kühe, Schafe, Schweine, Gänse, Enten, Hühner. Die kann ich hier in situ bewundern. Aber noch viel interessanter sind die Wildtiere, die sich vor allem bei Dämmerung und in den Nachtstunden einfach so herumtreiben, als gehöre der Wald und das Feld – und wenn Du Pech hast – Dein Vorgarten ihnen. Das ist wild romantisch. Na klar.

Er dreht den Schlüssel herum, nachdem er ein letztes Mal das Licht gelöscht hat. Die Regale sind ausgeräumt. Stille senkt sich über den Raum. Die Verkaufstresen ragen wie Mahnmale aus verschlissenem Boden. Dessen Muster kann er seit Jahren nicht erkennen. Er weiß selbst nicht, haben seine Augen ihre Kraft verloren oder sind die Farben einfach nur verblasst, wie nach und nach seine Waren verblasst sind. Die karierten Herrenhüte, die Damenhüte aus Filz und Strick, die edlen Nerzkappen und Zobelmützen. Vor langer Zeit hat ihn der Laden verschluckt.

In dem Roman "Hallo Mister Gott, hier spricht Anna" war es glaube ich, dass die Hauptfigur, die kleine Anna sagte, die tollste Erfindung von Gott sei der Ruhetag.

Wende die Welt einmal um, wie du Taschen umstülpst und sieh, was herausfällt.
Bunte Blätter und junge Katzen, ein paar Sonnenstrahlen und feuchtes Gras, Kieselsteine und Stroh, ein kleines Haus mit roten Dachziegeln, eine Herde Schafe und der Schäfer dazu mit seinen Hütehunden. Seine Pfeife qualmt noch, ein wenig durchgerüttelt und zerzaust stützt er sich schwer auf seinen langen gebogenen Stab um wieder auf die Beine zu kommen.

Ogülko war ein wunderschönes Mädchen. Ihre Mutter Japanerin, der Vater Deutscher. Ein wundersamer Zufall hatte ihr nur die besten Eigenschaften beider Eltern verliehen. Und so war sie nicht nur wunderschön sondern auch klug und fleißig.
Ogülko konnte gar nichts dafür, aber überall wo sie hin kam, war sie der Star. Wenn sie den Raum betrat, strahlte plötzlich der ganze Raum. Die Männer vergaßen, was sie sagen wollten und meistens auch den Mund wieder zuzuklappen, die Frauen zuckten entweder mit Augenbrauen und Schultern und taten gleichgültig oder erlagen sofort Ogülkos Charme und suchten ihre Nähe, ihr Strahlen, ihre Freundschaft und Liebe.

Herbert hatte immer Pech gehabt im Leben. Lange hatte er das selbst nicht wahr haben wollen, aber dann musste er es doch einsehen. All das was ihm widerfahren war, konnte nur Pech sein, schlechtes Karma oder wohlmöglich die Rache Gottes.
Bereits als kleiner Junge gehörte Herbert immer zu den Kindern, die nur die unmöglichsten Klamotten ihrer älteren Geschwister auftragen mussten.

Heiner ruft aus der Küche. „Komm essen!“ Rita seufzt. Andauernd nervt der Typ. Erst kochen, dann aufwaschen, dann staubsaugen, putzen, einkaufen, ausgehen.
Und dann noch unerträgliche Einmischung in ihre Kleiderwahl.
„Zieh doch bitte das grüne Kleid an. Jeans und Bluse sind doch viel zu leger.“

Franz war einfach schon immer total ideenlos, das hatten ihm seine Lehrer seit jeher bescheinigt. Wenn er im Kunstunterricht einen Baum malte, groß und mächtig mit bunten Blüten vor einer idyllischen Landschaft mit Äckern und Wiesen, mit Bach und Weg, eine geschwungene Bergkette am Horizont und blauer Himmel mit Schäfchenwolken, dann sagten sie ihm, dies sei ganz nett, hübsch und sogar gut ausgeführt aber doch wahnsinnig ideenlos, so gar nicht avantgardistisch oder kritisch oder sublim oder ätherisch oder popartig oder wenigstens irgendwie surreal.

Gerhard wurde an einem Sonntag geboren. Die Hebamme war wütend, weil er ihr den guten Sonntagsbraten, das leckere Kaffeetrinken am Nachmittag und sogar noch das Abendbrot vermieste. Die Wehen dauerten ewig und jedesmal, wenn die Hebamme Hedwig sich gerade verabschiedet hatte, weil es noch eine Weile dauern würde bis es richtig losging und weil sie endlich an ihren Mittagstisch, Kaffeetisch, Abendbrottisch zurückkehren wollte, da machte Gerhard schon wieder derartige Anstalten nun endlich doch herausgepresst werden zu wollen, dass seine Mutter schrie und sein Vater rannte, um Hedwig zu holen.

Wissen Sie was eine Synchronizität ist? Vor allem unheimlich. Ehrlich gesagt weniger die Synchronizitäten, die ich selbst erlebte, sondern die, deren Werkzeug ich wurde.

Wunderbar aufgeräumt sieht es aus dort draußen. Ordentlich stehen die Grashalme in Reih und Glied, ebenso die Bohnenranken und auch die Apfelbäume. Die Herbstsonne wirft ihre goldenen Strahlen über sie. Lässt all die Pflanzen dort noch einmal in hellem, satten Grün aufscheinen.

Der Telegraf ist seit langer Zeit arbeitslos. Niemand mehr benötigt ihn, der früher einmal Telegramme mittels eines Morsealphabets durch einen dünnen Draht über weite Strecken übermitteln konnte.

Eines Nachts kam ein knorriger, alter Mann an meine Tür und klingelte. Normalerweise mache ich um die Uhrzeit die Haustür unten gar nicht mehr auf. Aber ich erwartete eine Freundin, die sich bereits per Telefon angekündigt hatte. Also drückte ich ohne lange nachzufragen den Summer, öffnete meine Wohnungstür einen Spalt und verschwand wieder in der Küche, um Tee zuzubereiten.